Die Aufgabe ist klar, die Zeit wäre da, und trotzdem räumen wir lieber den Schreibtisch auf. Fast jeder kennt dieses Gefühl. Die gute Nachricht: Es hat wenig mit fehlender Disziplin zu tun.
Aufschieben ist kein Faulsein
Wer Aufgaben vor sich herschiebt, ist meistens nicht bequem, sondern unter Druck. Studien zeigen, dass Aufschieben vor allem eine Strategie ist, unangenehme Gefühle kurzfristig zu vermeiden: Langeweile, Unsicherheit oder die Angst, etwas nicht gut genug zu machen.
Das erklärt, warum gerade wichtige Aufgaben besonders oft liegen bleiben. Je mehr an einer Aufgabe hängt, desto stärker ist das unangenehme Gefühl, das sie auslöst.
Kurz erklärt
Prokrastination bezeichnet das wiederholte Aufschieben einer Aufgabe, obwohl man weiß, dass es Nachteile hat. Im Kern geht es weniger um Zeitmanagement als um den Umgang mit Gefühlen.
Was im Kopf passiert
Unser Gehirn bevorzugt Belohnungen, die sofort spürbar sind. Die Erleichterung, eine unangenehme Aufgabe wegzuschieben, kommt sofort. Der Nutzen der erledigten Aufgabe liegt dagegen in der Zukunft und fühlt sich weniger greifbar an.
Hinzu kommt das Selbstbild: Wer glaubt, eine Aufgabe ohnehin nicht gut zu schaffen, schützt sich unbewusst, indem er gar nicht erst anfängt. Dann liegt ein schlechtes Ergebnis an der fehlenden Zeit und nicht an den eigenen Fähigkeiten.
Nicht der Mangel an Willen hält uns auf, sondern das Gefühl, das eine Aufgabe in uns auslöst.
Kleine Schritte, große Wirkung
Weil Aufschieben mit Gefühlen zu tun hat, helfen vor allem Strategien, die den Einstieg leichter machen. Besonders gut untersucht sind sogenannte Wenn-dann-Pläne: Man legt vorher genau fest, wann und wo man womit beginnt.
Praxis-Tipp
- Mach den ersten Schritt winzig. Nicht „für die Prüfung lernen“, sondern „die Notizen von Kapitel 3 aufschlagen“.
- Formuliere einen Wenn-dann-Plan. „Wenn ich um 16 Uhr nach Hause komme, setze ich mich zehn Minuten an Kapitel 3.“
- Benenne das Gefühl. „Ich habe gerade keine Lust, weil ich unsicher bin.“ Das nimmt dem Gefühl oft schon etwas Kraft.
Oft reicht es, die ersten Minuten zu überstehen. Wer einmal angefangen hat, bleibt meist leichter dran, als er vorher gedacht hätte.
Das Wichtigste in Kürze
- Aufschieben ist meist ein Versuch, unangenehme Gefühle zu vermeiden.
- Wichtige Aufgaben sind besonders betroffen, weil mehr an ihnen hängt.
- Kleine, konkret geplante Einstiegsschritte machen den Anfang leichter.
Quellen
- Sirois, F. & Pychyl, T. (2013). Procrastination and the priority of short-term mood regulation. Social and Personality Psychology Compass, 7(2), 115–127.
- Gollwitzer, P. M. (1999). Implementation intentions: Strong effects of simple plans. American Psychologist, 54(7), 493–503.


